
Was macht Österreich eigentlich aus? Unsere Alpen, unser Schmäh – oder doch unsere Sprache? Gerade am Nationalfeiertag lohnt sich der Blick auf das, was uns verbindet: Worte, Redewendungen und Dialekte, die unsere Identität formen und bewahren.
„Sprache ist eng mit unseren Wurzeln und unserer Identität verknüpft“, sagt Christiane Pabst, Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs. „Sie zeigt, was wir mitbekommen haben – und was wir ausstrahlen wollen.“ Österreich ist eines von sieben deutschsprachigen Ländern, jedes mit seiner eigenen sprachlichen Ausprägung. „Unsere Varietät macht uns unverwechselbar“, so Pabst.
Vom Gulasch bis zum Cappuccino
Dass Sprache lebt und sich ständig wandelt, zeigt ein Blick in den Wortschatz: „Viele Begriffe spiegeln unsere Geschichte und kulturellen Einflüsse wider“, erklärt Pabst. „Vom slawischen Palatschinke über das ungarische Gulasch bis zum italienischen Cappuccino – sie alle sind Teil unserer sprachlichen DNA.“
Auch aktuelle Ereignisse prägen die Sprache. Besonders deutlich wurde das während der Corona-Pandemie: „Innerhalb weniger Wochen ist unser Wortschatz explodiert – plötzlich gab es Wörter wieImpfneid, Impfstraße oder Ostererlass.“ Sprache sei, so Pabst, immer ein Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche.
Dialekt als Herzstück der Identität
Trotz Globalisierung und Social Media bleibt der Dialekt lebendig – vor allem außerhalb der Ballungsräume. „In Österreich ist Dialekt ein Teil unserer Erstsprache, ein Stück Heimat“, sagt Pabst. Auch die Jugend greift wieder häufiger zu Mundart – das Jugendwort des letzten Jahres „Herst“ sei ein schönes Beispiel dafür.
Das Österreichische Wörterbuch selbst bildet zwar vor allem den Standard ab, doch Dialektwörter finden dann ihren Platz, wenn sie „für die gesamte österreichische Sprachwirklichkeit eine Rolle spielen“.
Zwischen Gendern und Gesellschaft
Und wie steht es um das Gendern? Erst kürzlich hat der erste Nationalratspräsident Walter Rosenkranz das Gendern aus Texten der Parlamentsdirektion verbannt. „Nicht das Gendern verändert die Sprache – die Gesellschaft tut es“, betont Pabst. Politische Eingriffe hält sie für schwierig: „Sprache lässt sich nicht verordnen. Sie entwickelt sich mit den Menschen, die sie sprechen.“ Hier sei noch viel zu tun in unserer Gesellschaft, „damit wir zu einer gleichberechtigten, respektvollen Kommunikation miteinander kommen“.
Ein lebendiger Schatz
Sprache ist also weit mehr als ein Mittel zur Verständigung. Sie ist Identität, Geschichte und Zukunft zugleich. „In jedem Wort steckt ein Stück Österreich“, sagt Pabst – und erinnert daran, dass unsere Art zu sprechen vielleicht der schönste Ausdruck dessen ist, was uns verbindet. Ihr Lieblingswort ist übrigens „Hausverstand“.
















